Sucht gute Musik! Mixtapes sind vielleicht nicht mehr en vogue und außerdem hat niemand mehr Zeit, um neue Zusammenstellungen zu ersinnen. Aber es gibt eine schnelle und effektive Alternative. Tragt die links Eurer Lieblingslieder hier auf diesem Blog ein und kommentiert was die anderen eingestellt haben! Und hier fangt Ihr an:
Es gibt keine Mixtapes mehr. Diese Kassetten, die wir uns gegenseitig geschenkt haben. Mit unserer Lieblingsmusik. Mit coolen Einspielern, wie diesem hier:
"Where the hell you got that idea Hal?"
"Dave, this conversation conserve no purpose anymore."
Man kannte ja damals bands wie pearl jam. Aber wer kannte schon Morphine mit unglaublich geilen Liedern wie buena?
Gute Musik wurde gerne rumgereicht.
Doch dann war Schluss mit den Mixtapes. Die Melodien verklingen im Anforderungsorkan des Alltags. Man sucht sich die Musik nicht mehr selbst aus, man konsumiert das Vorgefertigte, man macht keine Mixe mehr. Dabei gibt es immer noch sehr viel coole Musik und es sind mitnichten nur romantische Balladen und hormongeschwängerter Rockhymnen. Während alle aufhörten die Mixe zu machen, im Moment als der ESC, die WM und die Werbung übernahmen, war vielen egal, dass andere - coolere - songs ungehört blieben, Wie zum Beispiel "La memoria" de Leon Gieco:
Und es ist keine Schnulze. Es ist ein sehr politisches Lied. Hier der Text:
América con almas destruidas,
los chicos que mata el escuadrón,
suplicio de Mugica por las villas,
dignidad de Rodolfo Walsh.
Es geht um den argentinischen padre Carlos Mugica - nicht jedoch den uruguayischen José Mujica, der in den 1970er Jahren einer komunistischen Guerilla angehörte und als Präsident vor kurzem gegen Malboro kämpfte.
Es geht um den Padre Mugica und seinen Kampf für die armen und vergessenen Bewohner der "villas".In Brasilien heißen sie favelas, in Chile poblaciones und in Argentinien Villas. Mit dem Cumbias Villeras gibt es sogar eine Art Slum-Musikrichtung, die, als Weiterentwicklung des kolumbianischen Cumbia, in Südamerika äußerst erfolgreich ist. Eine Impression aus der Cumbia-Szene (war nie auf einem Mixtape):
Es gibt jedoch auch sehr guten (Musikgeschmack ist sehr individuell) Cumbia. Los Fabulosos Cadillacs haben es vorgemacht:
Ergo: Es gibt gute Musik, die wir aufgrund der fehlenden Mixtapes nicht mehr den Leuten zugänglich machen.
Das typische Sänger-dreht-durch-Drama so vieler guter Bands: Live mussten sich acht Jahre nach dem letzten Album nach einen neuen Frontmann umsehen.
Und sie müssen es jetzt allen beweisen: Dem Ex-Frontmann Ed Kowalczyk, mit dem sie schon im Rechtsstreit lagen, den Radiostationen, die keinen 90er-Jahre-Rock mehr spielen wollen und ihren Fans, die einen Befreiungsschlag erwarten. Der soll nun mit "The Turn" erfolgen.
Doch wer kennt eigentlich noch Live? In den 90er Jahren waren sie eine der größten US-Rockbands, verkauften Millionen Tonträger und hatten einen Sänger, der fortwährend nach einem Weg suchte, den Erfolg zu verarbeiten. Eddie Vedder zieht solo umher, um dann pünktlich alle vier Jahre mit der alten Mutti peral jam ein Album aufzunehmen und eine Tour zu machen, Ed Kowalczyk wurde zu einem Liederdichter mit messianischem Eifer. Seine Ex-Band suchte nach einem Frontmann, der sie zurück in das Feeling der guten alten 90er- Jahre bringen sollte. Und sie fand Chris Shinn.
Shinn sang zuvor für die zumindest in Deutschland unbekannte Formation "Unified Theory". Nun stimmt er gleich zu Beginn des neuen Live-Albums "Turn" die düstere Nummer "Sirens" an. Die Richtung ist klar: Weg vom Kuschelrock des Vorgängerwerkes "Songs from The Black Mountain" (2006), das ganz stark die Handschrift Kowalczyks trug.
Songs wie "He could teach the Devil Tricks" sind gelungen und knüpfen an die alten Klassiker von "Secret Samadhi" /1997) an, erreichen jedoch nie deren Tiefe.
Eine Ausnahmestellung nimmt die neue Single "The way around is through" ein. Nur hier scheint man den Einfluss des Produzenten Jerry Harrison (Talking Heads) heraushören zu können.
Ein Video wurde noch nicht gefunden. Jedoch zur neuen BUSH-Single "The only way out is through". Ist ja fast dasselbe:
Live ist ein solides Stück Musik für die sogenannten "90er-Grunger" gelungen. Eine Steigerung ist möglich. Das haben sie auf ihrem Ausflug namens "The Gracious Few" mit dem Candlebox-Sänger Kevin Martin 2009 bewiesen. Der war eindeutig fetziger als ihr jüngstes Machwerk. Aber wir stehen hoffentlich erst am Anfang einer neuen großen Zeit für unsere Helden der Jugend.
An diesem Abend gibt es keine Vorband, die Leute sind pünktlich da, Konzert fängt trotzdem eine Stunde zu spät an, um dann drei Stunden zu dauern: Von 20:00 bis 23:00 Uhr PEARL JAM live in der Berliner Wulheide. Kompletter Mitschnitt - Definitiv nicht in HD, gibt jedoch einen kleinen Überblick über das was an diesem Abend in der Erich Honecker-Zeit nicht möglich gewesen wäre:
Gesteht es doch - Ihr hattet pearl jam schon ein bißchen vergessen. Viele kennen eh nur die "TEN" mit "Jeremy, "Alive", vielleicht noch "Rearviewmirror" oder "Given to fly". Nach dem 1998 er Album "Yield" haben sich die "Altrocker" aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. "Binaural" und "Riot Act" waren eher Ladenhüter im Vergleich zu Frühwerken wie "TEN" oder "Vs." Doch obwohl ihr Mainstream-Profil gar nicht mehr auf Facebook erschien, weil sie zu Beginn der Zuckerberg-Ära schon die 10 Millionen CD's pro Album hinter sich gelassen hatten und sich abseits vom Internetquatsch einen neuen Sound zuzulegen begannen. Gleichzeitig erwuchs ihnen ein fanatischer Kult um ihre Band. Heute füllen sie an zwei oder drei aufeinanderfolgenden Abenden Arenen in Nord- und Südamerika. Tausende eingefleischte Fans reisen hunderte von Kilometern, um alle Lieder Wort für Wort mitzusingen. Sie nenne sich selbst die "Jamily". Eddie Vedder selbst kann sich nicht erklären, woher diese Fanbegeisterung kommt: ''You don't really set out for that to happen. But I think it's kind of the ultimate
compliment.'' Berlin Wulheide, am 26. Juni 2014. Es hat tagelang geregnet. Es bleibt bewölkt obwohl kein einziges Tropfen fällt während pearl jam spielen. Die Jamily , ganz vorne hätte sich am Ende wahrscheinlich gewünscht, es hätte geregnet. Zum Glück gab Eddie Vedder ganz viele Becher mit Wasser aber natürlich auch eine Flasche Wein für sie aus.
Viele waren natürlich wegen "ihm" hier. Nicht umsonst hört man auch viele "Eddie"-Rufe. Der Sound ist sehr gut. pearl jam treten hier alle zwei Jahre auf. Ein Heimspiel. Da kann man es auch mal etwas ruhiger angehen lassen, um die Jamily zusammenzurufen.
Vom Album "No Code". Spätestens zu dieser Zeit wandten sie sich damals vom klassischen Rock der 1990er ab. Der Schlagzeug-Sound Matt Camerons kommt bei der Liveshow wesentlich mehr zu Geltung als auf den Alben.
Man gewinnt den Eindruck, als würden alle 17000 Zuschauer, angeordnet wie in einem antiken Kolosseum in der ausverkauften Wulheide das Gitarrensolo mitsingen. Diese Stelle konnte man nachher auch bei der Heimfahrt in der Bahn viele Fans singen hören.
Die Emotionen der Fans kochen fast über. Nach dem Song bittet Eddie nun zum zweiten Mal darum, dass alle drei Schritte von der Bühne zurücktreten (Minute: 43:20). Die Band ist traumatisiert. 2000 sind bei einem Festival in Dänemark neun Fans vor der Bühne gestorben. Sie verloren auf dem matischigen Untergrund den Halt, stürzten zu Boden, wurden niedergetrampelt oder erstickt. Eddie ist also zu Recht besorgt. Er vehindert nicht die brachiale Wucht der Lieder, passt jedoch genau auf, was vor ihm passiert und ruft immer wieder dazu auf, aufeinander Rücksicht zu nehmen.
Eddies Kinder und die des Gitaristen Stone Gossard lieben den song "Let it go" aus dem Oscar-prämierten Disney-Film "Frozen". Im Netz findet man Mitschnitte des Liedes gesungen von Vedder oder Stone. Wir leben nicht mehr in der Kurt Cobain-Ära. Die Kinder reisen mit. In Italien war Eddie vor dem Konzert mit der Familie shoppen.
Der wahrscheinlich beste Stimmungsmoment des Konzerts. Ohnehin eine komplizierte Frage. Jeder setzt andere Maßstäbe. pearl jams Fähigkeit besteht eben daraus, verschiedene Maßstäbe zu setzen und dann auch zu erfüllen.
Die Frage ist, ob pearl jam je einen noch schnelleren Song als Porch geschrieben haben. Spätestens jetzt hält es keiner mehr in der Jamily-Menge vor der Bühne aus. Ich unterstelle einfach, dass an diesem Abend vor der Bühne bei einem von Mike Mc Creadys gespielten Gitarrensolo die einzige Möglichkeit zur Erholung in einem immer weiter vorpreschenden Speed-Rock-Song gab. Die Fans sind am Ausrasten.
pearl jam haben eine Reise vom "Megstardom" zum "Cultdom" hinter sich, die anders als bei ähnlichen bands in diese entgegengesetzte Richtung verlief.Man hatte sich für längere Zeit zurückgezogen, ''We had to take it back,'' sagte einmal Mike McCready,
''because we were all gonna lose our minds". Nun hat wohl ihr Mind und vor allem das des Eddie Vedder seinen Frieden mit den Status als gigantische Independentband machen können. Sie kamen nach Berlin, um in "ihrer" Wulheide ein Fest mit den Fans zu feiern.
„Was ist das denn
hier für eine unspezifische Frage?“
„Ich weiß, dass die
Menschen Angst vor mir haben.“
„Wir sind wie eine Familie – So’n Quatsch! Hier ist niemand
wie meine Mutter. Also was soll der Quatsch?!“
Tino Hanekamp ist ein eloquenter Gesprächspartner. Ein
Interview ist es nicht. Regener erzählt über das Glück, welcher er hatte,
trinkt einen Kamillentee, später ein großes Bier, macht den Kotzbrocken und den
interessierten Freigeist. Er sieht sich als Rocker und stampft den jungen
Nachfrager zusammen. Tino Hanekamp, Kneipenbesitzer und bekennender Raucher,
unterhält sich mit Menschen, „die was zu sagen haben“. Sven Regener hat auf
jeden Fall etwas zu sagen. Der Sänger von Element of Crime und Autor des
Erfolgsromans „Herr Lehmann“ hat vor30
Jahren mit dem Rauchen aufgehört und filmt gerade zusammen mit Leander Hausmann
etwas zwischen Hai-Drama und Bürgerposse am Berliner Müggelsee.
„Die Geschichte von Leuten interessiert mich mehr als die
von Orten. „